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  Verweigerung des Kriegsdienstes

Ich habe mir gedacht, ich veröffentliche an dieser Stelle doch auch einmal meine Verweigerung des Kriegsdienstes. Wenn sie auch sehr speziell auf mich zugeschnitten ist, hilft sie vielleicht Anderen Zivildienst-Leistenden. Mindestens aber halte ich sie für interessanten Lesestoff.


Meinen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer nach Artikel 4, Absatz 3, Satz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland möchte ich im Folgenden begründen.

Ich wurde schon seid meiner Kindheit von meinen Eltern dazu erzogen, Gewalt in jeglicher Form abzulehnen. Ich war mir recht früh darüber im klaren, dass Krieg schon vom Grundsatz her etwas falsches und furchtbares darstellt, da Menschen töten und getötet werden. Diese Einstellung hatte ich bereits verinnerlicht, doch als am Abend meines zwölften Geburtstages mein eigener Vater starb, wurde sie bestätigt, da ich am eigenen Leibe erfuhr, wie schrecklich der Tod ist, und wie unvorbereitet er die Menschen trifft.

Als ich nach einer langen Zeit des Trauerns etwas älter war und begann darüber nachzudenken, wie schrecklich es sein muss, wenn Kinder ihre Eltern durch etwas so sinnloses wie einen Krieg verlieren. Wenn ich heute bedenke, wie viele Hunderte oder Tausende solcher Fälle es derzeit gibt, sei es allein im Irak oder in Afghanistan, bin ich nur noch fester Entschlossen, niemals eine Waffe zu führen.

Bis zum Tod meiner Mutter in meinem 17. Lebensjahr war ich mir bereits längst sicher, dass ich anderen Menschen im Zivildienst helfen will, anstatt sie in der Bundeswehr umbringen zu müssen. Durch die lange Krankheit, die dem Tod meiner Mutter vorausging konnte ich aus erster Hand erleben, wie nötig es ist, das Menschen anderen Menschen helfen. Außerdem könnte ich nicht mit dem Gewissen leben, dass Menschen, die Hilfe benötigen, sie nicht bekämen, weil die Helfer im Kriegsdienst zum Töten ausgebildet werden.

Obwohl die Erziehung durch meine Eltern - im Verhältnis zu anderen Familien - recht früh endete, hat sie doch ausgereicht, um mich nach diesen beiden Schlüsselereignissen auf mein Leben vorzubereiten. Ich habe gelernt, dass Gewalt nie ein Mittel ist, was Konflikte löst, sondern eher das Gegenteil bewirkt - sie heraufbeschwört. Durch die Ausbildung zum Soldaten oder durch das bloße Führen einer Waffe würde ich Gewalt befürworten, doch dies lässt meine Ethik nicht zu.

Weiterhin betätige ich mich seit ungefähr drei Jahren ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit, um anderen Menschen, zusammen mit anderen Ehrenamtlichen Mitarbeitern, das gewaltfreie Lösen von Konflikten und das friedliche Miteinander vorzuleben. Durch meine Arbeit dort habe ich oft beobachten müssen, wie Kinder versuchen, durch Schlagen, Treten oder andere Formen von Gewalt ihre Meinung durchzusetzen. Doch selbst bei Kindern verhält es sich wie bei allen Anderen: Gewalt führt zu Gegengewalt und endet schlussendlich mit traurigen Verlierern und ohne Gewinner. Auch hier konnte ich aus der Situation lernen. Nachdem den Kindern gezeigt wurde, dass sich Konflikte ausschließlich gewaltlos beenden lassen, funktioniert das friedliche Zusammenleben beispielsweise gegen eines Zeltlagers erheblich besser als am Anfang. Diese Erfahrungen haben meine Einstellung erheblich gefestigt.
Ich hoffe, aus dem hier geschriebenen ist nun ausreichend ersichtlich, wie sehr ich Anwendung von Gewalt, insbesondere in so sinnlosen Situationen wie einem Krieg ablehne. Daher möchte ich meine Zeit nicht sinnlos im Kriegsdienst verschwenden, sondern lieber anderen Menschen im Zivildienst helfen.
 
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